Risikoanlage P2P-Kredite? Wie sicher sind P2P-Investments?

DennyVeröffentlicht von

Stellt euch mal folgendes vor: Es gibt ein osteuropäisches Unternehmen, meinetwegen aus Lettland oder Estland, welches Konsumkredite (Verbraucherschulden!) aus dem Baltikum von Privatpersonen an Privat-Anleger vermittelt und Du mit der Finanzierung daran jährlich 10% bis 15% verdienen kannst.

Glaubst Du, dass das realistisch ist?

Ich bin ehrlich, auf den ersten Blick sah das auch für mich nicht sehr „koscher“ aus.

Wenn es um das Thema P2P-Kredite geht, liest man in einschlägigen Foren und Communities sehr häufig über die vermeintliche Sicherheit dieser Investments, beziehungsweise welche Risiken damit verbunden sind.

Meine Meinung dazu: Ich kann diese Zweifel komplett nachvollziehen und ich glaube es ist auch wichtig für Privat-Anleger, sich sowieso bei jeder Art des Investments vorher über die Chancen und Risiken bewusst zu werden.

Aber wie so häufig liegt der Teufel im Detail, weshalb ich hier versuchen möchte eine differenzierte Risiko-Betrachtung von Investments in P2P-Krediten vorzunehmen.

Welche Risiken gibt es tatsächlich bei P2P-Krediten und wie man diese ggf. minimieren, bzw. eliminieren?

1.Kreditrisiko / Ausfallrisiko des Kredits

Auf der Mikroebene steht das Ausfallrisiko eines Kredits.

Aber wo geht hier das eigentlich Problem los?

Sein wir mal ehrlich: Jeder hat eine Schwäche dafür, wenn es darum geht beim Crowdfunding ein Herzensprojekt zu unterstützen, weil wir dahinter eine kluge Idee, eine Vision, beziehungsweise einen (Mehr-)Wert sehen.

Wo der Mehrwert liegt, wenn man einem Darlehnsnehmer dabei hilft sich einen neuen 55 Zoll Fernseher „auf Pump“ zu kaufen, sollte hinterfragt werden. Damit sind wir auch schon beim ersten Problem: Konsumentenkredite, beziehungsweise Verbraucherschulden, erzeugen keinen Mehrwert und schon gar nicht eine Rendite auf Seiten des Darlehnsnehmers.

Ohne die „Ethik-Keule“ jetzt rauszuholen, aber das sollte jedem bewusst sein und jeder muss für sich überlegen, ob und wie er das unterstützen möchte.

Fakt ist: Ein Großteil der auf den Plattformen vergebenen Darlehen sind Verbraucherkredite. Weil diese Kredite nicht mit Wertgegenständen besichert sind, kann es natürlich immer passieren, dass diese Kredite ausfallen und sich negativ auf die Rendite auswirken.

Bei Bondora liegt, nach eigener Aussage, die aktuelle Brutto-Ausfallrate bei 23%.

46% davon können nach einer Art „Inkasso“-Verfahren wieder zurückgeholt werden, sodass die effektive Netto-Ausfallrate von Krediten bei ca. 12,5% liegt.


Was kann man als Privat-Anleger dagegen machen?

Das Schöne hierbei ist, dass man das Risiko als Privat-Anleger zum Großteil selbst kontrollieren kann.

Das Zauberwort dafür heißt: Diversifizierung.

Wenn Du Dich mit dem Thema schon etwas mehr beschäftigt hast wirst Du wissen, dass viele Anlage-Experten der Meinung sind, dass Diversifikation die wichtigste Komponente zur Erreichung langfristiger Ziele bei gleichzeitiger Risikominimierung ist.

Eine Beispiel-Rechnung:

Du möchtest 1000 € auf einer P2P-Plattform investieren.

Wenn Du jeweils 100 € auf 10 Kredite verteilst, liegt Deine Diversifizierung bei 10%. Nehmen wir an, dass der Zinssatz bei jedem dieser Projekte bei 10% liegt. Das heißt, dass sobald nur ein Kredit-Projekt ausfällt, Du keine positive Rendite mehr erhältst (990 €).

Streust Du das Risiko hingegen auf 100 Kredite a 10 €, liegt Deine Diversifizierung bei 1 %. Meine persönliche Empfehlung für Anfänger wäre ein Diversifizierungs-Grad von max. 2,0%.

Bei der Kalkulation des Ausfallrisikos sollte man aber auch das Rating und die Bonitäts-Bewertung der Darlehnsnehmer von Seiten der P2P-Plattform mit einbeziehen.

Investiert man ausschließlich in Kredite mit guter Rating-Bewertung (AA bis B) und dafür mit einer niedrigeren Verzinsung (bis zu 10%), liegt die Wahrscheinlichkeit eines Ausfallrisikos deutlich niedriger, als wenn man eine höhere Rendite für ein höheres Ausfallrisiko in Kauf nimmt. Mehr Risiko, mehr Rendite.

Mein Anfang bei Mintos sah so aus, dass ich zunächst 2.000 € auf 80 Kreditprojekte a 25 € verteilt habe. Das entspricht einer Diversifizierung von 1,25%. Da man beim Portfolio-Builder von Mintos keine Kredit-Rating Auswahl treffen kann, habe ich zunächst den max. Zinssatz bewusst bei 10% eingestellt, um zunächst eine breite Basis an validen, „ausfallsicheren“ und langfristigen Krediten (36 Monate) in meinem Portfolio zu haben.

Da es mein erstes P2P-Investment war, wollte ich das Ausfallrisiko meiner Kredite zunächst möglichst gering halten. Trotz garantierter Buyback-Garantie.

Mit dem Cashflow und den erwirtschafteten Zinsen, habe ich dann ein zweites Portfolio erstellt und aktiviert, bei dem ich in kleinere Beträge von max. 10 € in Kredite ab 13% investiere.

Zunächst habe ich also ein diversifiziertes und breites Fundament gelegt und mit dem zweiten Portfolio steigere ich jetzt nach und nach gezielt meine Rendite.

Für eine optimale Diversifikation sollte aber nicht nur nach risikoarmen und risikobehafteten Krediten unterschieden werden, sondern auch nach unterschiedlichen Darlehnsanbahnern, Kreditarten, Ländern, Laufzeiten etc.

Ein ausführlicherer Artikel zum Thema optimale Diversifikation folgt demnächst auf dem Blog.


Was machen die P2P-Plattformen, um Kreditausfällen vorzubeugen?

Obwohl die Plattformen ähnlich vorgehen, soll der Ordnung halber erwähnt werden, dass es hier wichtig ist zu unterscheiden, ob es sich bei der P2P-Plattformen lediglich um einen Marktplatz für Kredite von Drittanbietern handelt (wie zum Beispiel bei Mintos) oder ob die Plattform selber Kredite bewertet und vergibt (ähnlich einer Bank), wie zum Beispiel bei Bondora.

Bei einem Marktplatz wie Mintos wird meiner Einschätzung nach deutlich stärker auf die Voraussetzungen der Darlehnsanbahner geachtet, welche dann einen bereits bewilligten Kredit auf der Plattform bereitstellen.

Die Kredite und Kreditnehmer werden von den P2P-Plattformen mittels eines eigenen Scoring-System bewertet. Hierbei spielt verständlicherweise Big Data eine große Rolle. Aus verschiedensten Quellen werden im Vorfeld Daten über den Kreditnehmer gesammelt, u.a. von Datenauskunftsbüros, Meldeämtern, Kontoauszügen und weiteren Informationen die der Kreditnehmer bereitstellt.

Diese Daten werden zusammengetragen und in einer Risikoanalyse zusammengetragen. Je nach Einschätzung der Wahrscheinlichkeit, ob ein Kredit zurückgezahlt werden kann oder nicht, werden dann das Kreditrating und der Zinssatz zugeteilt.

Sollte es noch zu wenige verfügbare Daten über einen Kreditnehmer geben, so wird dieser automatisch mit einem höheren Zinssatz eingestuft.

Das Prinzip lässt sich also ähnlich mit dem Abschluss einer Auto-Versicherung vergleichen. Je länger ich einen Führerschein besitze und keine Unfallschäden vorweisen kann, desto niedriger wird mein Versicherungsbetrag eingestuft.

Genauso können Darlehnsnehmer, die bis dato noch wenige Referenzpunkte vorweisen können, sich mit fortlaufender Zeit und regelmäßigen Rückzahlungen, einen besseren Zinssatz erarbeiten.

Bei meiner Anfrage an Bondora nach der Risiko-Bewertung der Kredite bekam ich vom Support folgende Antwort:

„We do carry out what we call an underwritting procces where we verify details and infomation about the borrowers. As a result of the verification process, we are able to give the borrowers Bondora rating

Bondora Rating is calculated using all the data points we have on an individual. Among other things a lot of emphasis is on externally validated data we get from credit bureaus, population registries, banks and tax authorities. The data we get from these trusted third parties is very sensitive and cannot be shared. The self-reported data that is displayed to investors is typically not very predictive and has relatively little influence on the Bondora Rating of a particular loan.

The loan application process is automated and every application is submitted online at www.bondora.ee Our underwritting team them processes the application internally after which it’s approved or rejected.

As I’ve mentioned above, the Bondora ratings which are (AA, A, B, C, D, E, F, HR) with AA being least risk and HR high risk determines what interest rate the borrower receives. Thier liabilities are verified from banks, local credit bureau and other external sources.“


Rückkaufgarantie

Um Privat-Anlegern die Angst vor Kreditausfällen zu nehmen, bieten viele P2P-Plattformen eine Rückkaufgarantie an. Das heißt, dass wenn der Kredit unwiderruflich nach +60 Tagen verloren gegangen ist, überweist die Plattform dem Investor die ausstehende Tilgungssumme.

Auch wenn es auf den ersten Blick sehr positiv zu bewerten ist, dass die P2P-Plattform für die Ausfälle der Kredite „haftet“, stehe ich dem etwas kritischer gegenüber.

Natürlich werden verlorene Kredite im Hintergrund mit einem Forderungsmanagement seitens der Plattform nachverfolgt, keine Frage. Vielleicht refinanziert sich dadurch auch der getilgte Betrag der Kreditsumme.

Mir macht es deshalb Sorgen, weil sich dadurch auf Seiten der Plattform Verbindlichkeiten aufbauen, die vielleicht ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr bedient werden können (siehe Plattformrisiko).

Kreditausfälle sind ein Teil des Spiels und gehören dazu. Ich halte es da eher mit einer Plattform wie Bondora, die diese Rückkaufgarantie nicht anbietet, sondern so argumentiert, dass das Ausfallrisiko in die Rendite, also den Zinssatz, mit eingepreist wird.

Schaut euch mal ab Minute 17:10 an, was der Bondora CEO Pärtel Tomberg dazu gesagt hat:


2. Plattformrisiko

Ein aus meiner Sicht wichtiges Risiko-Thema bei P2P-Krediten, ist das Plattformrisiko. Also der mögliche Bankrott eines P2P-Kreditmarktplatzes.

Alle Plattformen sind am Ende des Tages Wirtschaftsunternehmen die im Wettbewerb zueinanderstehen. Der Markt für P2P-Investments wächst immer weiter und stärker, was aus Anleger-Sicht zunächst ein guter Indikator dafür ist, dass sich P2P-Investments etablieren werden. Doch wie die einzelnen Plattformen dabei abschneiden, kann man von außen nur schwer bis gar nicht kontrollieren.

Unternehmen die zu schnell Marktanteile gewinnen wollen und sich dabei finanziell übernehmen, schlechtes Management, das Aufkommen einer wirtschaftlichen Rezession, etc., sind alles vorstellbare Szenarien, die früher oder später zu einer Insolvenz der Plattformen führen können und dann das Investment ruinieren.

Besonders letzteres Argument wird in der öffentlichen Meinung sehr häufig benutzt. Nämlich, dass noch keine dieser Plattformen durch eine Finanzkrise, eine wirtschaftliche Rezession, gehen musste. Bei Bondora lässt sich darüber streiten, da dass Unternehmen 2008 gegründet worden ist.

Ich bin kein Wirtschaftsexperte und es fällt mir schwer, hier eine genaue Vorhersage zu treffen.

Fakt ist: Ursachen für die Finanzkrise 2008 lagen darin, dass Kredite an Personen vergeben worden sind, die diese nicht bedienen konnten. Also im Kern, worum es auch bei P2P-Krediten geht.

Können die Schuldner Ihren Gläubigern das Geld langfristig zurückzahlen?

Letztlich beruht darauf das Unternehmensmodell von P2P-Plattformen. Wie liquide und gut gerüstet sind die P2P-Plattformen, um solche Ausfälle aufzufangen und gleichzeitig den bestehenden Kostenapparat weiter zu bedienen?

Meine Meinung: Jeder von uns hat ein individuelles Bedürfnis nach Sicherheit. Bei dem einen ist es stärker ausgeprägt, bei dem anderen etwas weniger. Gerade beim Plattformrisiko, wo man vermeintlich wenig von außen beeinflussen kann, zählt für mich besonders das Vertrauen, welches ich zu einer Plattform aufbauen kann.

Das wird mein Risiko nicht zwangsläufig minimieren, aber zumindest meine subjektive Risikobewertung beeinflussen und dadurch auch meine Investments bei den Plattformen steuern.

In dieser Hinsicht bin ich besonders bei Bondora und Mintos sehr zufrieden. Durch die Transparenz, wie zum Beispiel durch die Veröffentlichung von Geschäftsberichten, Statistiken und Ergebnissen von unabhängigen Wirtschaftsprüfern, wird mein Vertrauen zu den Plattformen gestärkt.

Auf der einen Seite benötigen diese Plattformen das Vertrauen der Anleger, denn nur dadurch funktioniert das Geschäftsmodell, auf der anderen Seite ist diese Transparenz keine Selbstverständlichkeit. Zumindest kann ich für mich behaupten, dass dieser Weg mir mehr Sicherheiten gibt, auch wenn dadurch nicht alle Plattform-Risiken ausgeschlossen werden können.


3. Marktrisiko

Zu guter Letzt steht das Marktrisiko.

Das Marktrisiko ist das am wenigsten zu kontrollierende Element für den Privat-Anleger, daher hier nur ein paar wenige Worte zu den möglichen Risiken.

P2P-Plattformen besetzen, befeuert durch die Digitalisierung, einen Nischenmarkt im Bankensegment. Durch die Vielzahl der Anbieter und das Wachstum von P2P-Plattformen, wird es sicherlich nur eine Frage der Zeit sein, bis diese Plattformen auch größere Projekte bedienen werden.

Die ersten Anbieter wie Estateguru oder Crowdestate sind bereits auf den Immobilienmarkt spezialisiert und vermitteln bereits sechsstellige Kreditvolumina. Außerdem ist es eine gute Alternative zu den vorherrschenden Konsumentenkrediten.

Es wird interessant zu sehen sein, inwieweit sich das die klassischen Banken auf lange Sicht gefallen lassen werden, wenn diese nach und nach Kunden und Geschäftsanteile verliert. Übernahmen und Verschmelzungen (M&A) sind durchaus denkbare Optionen.

Dieses Marktrisiko lässt sich aber auch auf die rechtlichen Spielräume übertragen. Bisher ist der P2P Markt noch sehr unreguliert, sodass neue Richtlinien und Vorgaben maßgeblich zu den Entwicklungen beitragen können.


Wie sicher sind P2P-Kredite? – Mein Fazit

Wie eine alte Anleger-Weisheit sagt: Rendite kommt von Risiko. Da sind auch P2P-Kredite nicht ausgenommen.

Risiken auf der Mikro-Ebene können besonders durch ein ausreichend diversifiziertes Portfolio über verschiedene Plattformen, bei verschiedenen Darlehnsanbahnern, Herkunftsländern der Kredite, Bewertung von Krediten etc. minimiert werden.

Auf der mittleren Ebene spielt das Vertrauen in die Plattform eine wichtige Rolle. Wie transparent kann man deren Geschäftsprozesse und Entwicklungen mitverfolgen? Wer sich hier etwas näher damit beschäftigt und zunächst kleine Investments tätigt, wird schnell ein Gefühl dafür bekommen, welche Plattformen den eigenen Wünschen zusagen.

Wie die globale Entwicklung von P2P-Plattformen aussehen wird, bleibt abzuwarten. Besonders die nächste Wirtschaftsrezession kann hier sicherlich den ein oder anderen Wackelkandidaten vom Tisch räumen. Auch die staatlichen Regulierungen und die Reaktionen der Banken können die Spielregeln von P2P-Krediten in verschiedene Richtungen lenken.

Erst kürzlich wurde ein Artikel veröffentlicht, wonach im neuen Koalitionsvertrag festgelegt wurde, dass zukünftig Zinseinkünfte über die Einkommenssteuer versteuert werden sollen. Also im schlimmsten Fall über den Spitzensteuersatz von 45%, und nicht mehr über die Abgeltungssteuer mit 25%.

Wer einen hohen Einkommenssteuersatz hat, der wird sich bei den zu versteuernden Zinseinnahmen fragen, ob das Verhältnis von Risiko und Rendite noch positiv bewertet werden kann.

Ich hoffe, dass Dir der Artikel gefallen hat. Ich freue mich über Deine Kommentare und auch, wenn Du Dich für weitere Artikel dieser Art in meinen Newsletter einträgst.

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