Die Comeback-Story des Jahres – Mein schönster Verkaufsabschluss 2015

DennyVeröffentlicht von

Für viele ist es vielleicht schwer nachzuvollziehen, aber oftmals brennen mir aktuelle Erlebnisse und Gespräche aus dem Verkaufsalltag so sehr unter den Fingernägeln, dass ich am liebsten alles sofort in einen Text niederschreiben und veröffentlichen möchte.

Das können dann sowohl negative, als auch positive Ereignisse sein. Im Zweifel wohl etwas mehr Geschichten die „negativ“ einzuordnen wären, weil es aus verschiedenen Gründen mal wieder nicht zum Abschluss gereicht hat. Doch genau das sind die Gespräche für mich, die mir den größten Lerneffekt bescheren und mit denen sich auch meine Leser wohl am meisten identifizieren können.

Mein schönster Verkaufsabschluss 2015Entgegen einer Welt voll von arrivierten Verkaufstrainern, bei der die meisten seit Jahren nur noch das erfolgreiche Verkaufen predigen, anstatt realitätsnahe Geschichten von der „Verkaufs-Front“zu erzählen, kann ich von echten Erlebnissen aus dem täglichen Verkaufsalltag berichten. Das Potenzial für viele spannende Geschichten ist fraglos vorhanden.

Doch auf der anderen Seite finde ich, dass es ein schmaler Grad ist über Kundengespräche in meinem Blog zu schreiben. Sicherlich wird der ein oder andere Kunde, nicht zuletzt durch meine aktive Vermarktung auf Xing auch mitbekommen haben, dass ich diesen Blog führe.

Deshalb möchte ich nicht unnötig riskieren, dass potenzielle Kunden durch eine Vorab-Recherche voreingenommen mit mir kommunizieren, um hier vielleicht einer Erwähnung zu entgehen. Auch wenn ich natürlich versuchen würde alles anonym zu halten und keine konkreten Namen, bzw. Unternehmen zu nennen.

Aber letztlich lassen sich ja doch viele Hinweise nachrecherchieren, wenn man wirklich wissen möchte um welches Unternehmen es sich handelt. Ich kann bereits jetzt sagen, dass wenn der Tag kommen sollte und ich frei von jeglicher Verpflichtung bin, hier sehr fragwürdige Geschichten veröffentlichen kann. Deshalb sind auch Beiträge wie dieser hier ein schwieriger Spagat für mich.

Es ereignete sich allerdings im Jahr 2015 ein Fall, den ich für mich als den besten und schönsten Verkaufsabschluss 2015 bezeichnen würde, weil ich hier wohl die Comeback / Karma-Geschichte des Jahres hautnah miterlebt habe.

Als dann auch noch ein regelmäßiger Leser meines Blogs einen Link mit mir und seinem Netzwerk geteilt hat, musste ich mich einfach hinsetzen und darüber schreiben. Der Artikel erschien auf der DIE ZEIT Online Webseite und ging um Erfolgschancen beim Vorstellungsgespräch.

Überschrift „Erfolg hat, wen der Interviewer mag“.

Als ich das Interview gelesen hatte, war es der letzte für mich nötige Impuls, um diesen Text zu schreiben. Aber der Reihe nach.


Wie ich Ende 2014 meinen Marktwert bei Job-Interviews testete

Ende 2014 war ich an dem Punkt angekommen, dass ich mich aktiv nach möglichen Job-Alternativen in Berlin umgesehen habe. London war für mich ein hartes und lehrreiches Pflaster gewesen und ich spürte, dass ich über kurz oder lang sowieso wieder in meiner Berliner Heimat angesiedelt wäre. So gab mir dieser Umstand die Möglichkeit bei verschiedenen Job-Interviews meinen eigenen Marktwert zu testen.

Insofern schrieb ich ein paar Bewerbungen und war gespannt auf das Feedback. Wie würden die deutschen Arbeitgeber auf mich reagieren? Welche Chancen hatte ich mich mittelfristig als Verkäufer in Berlin zu etablieren? Wie nachgefragt war ich?

Ein guter Testlauf für mich, da ich mir sicher sein konnte früher oder später an diesen Punkt der Job-Interviews zurückkehren. Allein dieses Mal verspürte ich keinen Druck unbedingt einem neuen Arbeitsverhältnis nachzugehen.

Eines meiner Job-Interviews fand bei einem Payment Anbieter für Online-Bezahlmethoden statt, welcher seinen Gründungs- und Hauptsitz in Berlin hat. Ich ging, wie bei jedem der anderen drei Job-Interviews die ich vereinbart hatte, vorbereitet und unvoreingenommen zum Interview. Doch was dann passierte, hätte ich mir nicht vorher ausmalen können.


Das wohl dümmste Job-Interview meines Lebens

Anstatt wie bei normalen und modernen Unternehmen mit den Human Resources Verantwortlichen zu reden und von Rekrutierungs-Experten interviewt zu werden, musste ich mich auf ein Gespräch mit einer von zwei Vertriebsleitern aus dem Unternehmen einlassen. Aber gut dachte ich, vielleicht suchen die Vorgesetzten ihre Mitarbeiter ja gleich selbst aus. Kann ja sein.

Die junge Dame die mich interviewt hat und die nur unwesentlich älter war als ich (vielleicht zwei bis drei Jahre, Sie war definitiv noch keine 30 Jahre alt), hatte angeblich die Leitung für ein Sales-Team von vier oder fünf Personen im Unternehmen. Mit an ihrer Seite war ein junger Werkstudent, der ca. um die 20 Jahre alt war. Er erschien mir sehr unterwürfig und sah etwas „milchbubig“ aus. Nennen wir ihn mal Johannes* (Name frei erfunden).

Während des Interviews merkte ich sehr schnell, dass ich mit der jungen Dame nicht ganz grün werden würde. Die Chemie stimmte einfach nicht und ich hatte den Eindruck, dass es hier um alles ging, nur nicht um die Potenzialanalyse für eine Zusammenarbeit.

Zwei mal setzte ich nach einer Frage zur Antwort an und begann meinen Satz in etwa so:„Ich denke, dass..“, ehe ich schon von ihr unterbrochen worden bin und sie nachfragte „Moment mal: Du denkst, oder du weisst?“. Zwei mal. In einem Interview.

Schnell wurde mir deutlich, dass das nicht zielführend enden würde. Spätestens dann, als Sie mir mitteilte – ohne das ich danach gefragt oder Andeutungen dazu gemacht hätte – dass ich mir auf der Karriereleiter (unter ihr) nichts einzubilden brauche. Die nächsten zwei Jahre würde sich meine Position nicht (nach oben) verändern. Sie sagte das während des Gespräch, ohne das ich nur eine Andeutung bezüglich Karriereaussichten gemacht hatte. Ich empfand das alles als sehr ungewöhnlich und fast schon beleidigend. Mir war spätestens jetzt klar: Die hat dich gefressen. Keine Chance.

Nicht nur das Sie sehr unsympathisch wirkte und leicht feministisch veranlagt schien, es war ihr auch sehr stark daran gelegen mir aufzuzeigen, wer der Chef von uns beiden sei und für immer bleiben würde.

Ihre narzisstische Art zeigte sich dann auch in der ständigen Bevormundung des Werkstudenten. Während des Gesprächs behandelte sie ihn so, als würde sein ganzes Wissen auf dem Fundament einer ahnungslosen End-Zwanzigerin aufbauen. Sie machte Kommentare die in etwa so gingen „Unser Johannes hier muss auch noch lernen, dass..“ oder „Das haben wir dem Johannes dann auch beigebracht..“. Der arme Kerl tat mir leid.

Vielleicht gibt es Leute die sich gerne freiwillig unterwerfen möchten und die sich nicht selbst auf Augenhöhe mit dem Gegenüber sehen – diesen Fetisch soll es ja auch geben – ich gehörte aber nicht, beziehungsweise noch nie zu dieser Kategorie. Erst recht nicht, wenn die Leute in meinen Augen inkompetent sind und nur eine Schein-Autorität glauben zu besitzen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass sie in Wahrheit hinter den Kulissen relativ wenig zu sagen hatte. Anyway.

Mir war klar, dass ich unter diesen Umständen hier auf keinen Fall arbeiten wollte. Ob die Liebe auf Gegenseitigkeit beruhte sei mal dahingestellt. Dennoch versuchte ich mich im Gespräch angemessen zu verkaufen und würdig zu verabschieden. Primär, weil ich auf die Reaktion der jungen Dame gespannt war und mit welchem Vorwand sie mir eine Absage erteilen würde.

Doch was passierte dann? Genau: Gar nichts!

Nicht mal eine formlose Absage per Email kam in mein Postfach und das rundete meinen Gesamteindruck von dieser Person ziemlich gut ab.

Das Interview rückblickend nochmal zu betrachten ist spaßig und grausig zur selben Zeit. Klar hätte ich nach diesem Interview dort nicht arbeiten wollen, doch mir war hinterher viel wichtiger das klar werden würde, dass nicht ich der ungeeignete Kandidat war, sondern sie eine schlechte Vorgesetzte. Zumindest was Formen des Umgangs mit Mitmenschen angeht und wie man deren Potenziale erkennt und identifiziert. Ob sie wirklich die Position inne hatte die sie vorgab zu besitzen? Ich kann es mir schwer vorstellen bei so viel sozialer Inkompetenz.

Wozu also diese Vorgeschichte?


Die Comeback-Story des Jahres

Wie wir alles wissen – zumindestens die regelmäßigen Leser des Blogs oder Leute die mich persönlich kennen – bin ich bei meinem Job in England geblieben. Nicht zuletzt, weil mir mein englischer Chef die Möglichkeit gab ein Video-Team für den deutschen Markt aufzubauen und zu entwickeln.

Meine eigenen Konzepte und Ideen waren maßgeblich für den Aufbau entscheidend und gefragt. Er hatte das Vertrauen in mich und meine Qualitäten als Verkäufer. Außerdem hatte er das Kapital, sodass ich ihn nicht nur als Mentor für den Podcast, sondern auch als eine Art Investor für mich angesehen habe.

Zum ersten mal hatte ich das Gefühl als „Selbständiger“ Unternehmer tätig zu sein. Einen Drang, den ich schon immer verspürt hatte. Ich konnte mich und meine eigenen Ideen ausleben und verwirklichen. Meine Ideen und Konzepte wären wegweisend für den Erfolg, nicht zuletzt aber hätten meine Verkaufsabschlüsse gezeigt, ob ich selber ein Business betreiben und aufrecht erhalten könnte oder nicht.

Ein großer Vertrauensvorschuss und auch für mich die Möglichkeit mir zu beweisen, ob ich als Selbständiger eine Chance hätte mir dadurch ein profitables und nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen.

Nachdem ich 2014 mit dem Report „Die Zukunft des Handels“ den kommerziell erfolgreichsten Business Reporter in Deutschland veröffentlicht hatte, war ich nun bemüht nach den ersten Monaten im Video-Verkauf dieses Thema für meine Video-Kampagne wiederzuverwenden.

Auch durch die aufgebauten Kontakte versprach ich mir höhere Erfolgschancen. Doch das Projekt lief – auch aufgrund der mangelnden Vorzeigbarkeit von bereits gedrehten Videos und des hochpreisigen Formats – zunächst sehr schleppend.

Einen Teil der Video-Kampagne zum Thema „Die Zukunft des Handels“ wollte ich den zukünftigen Bezahlmethoden im Handel widmen. Wie setzen Händler effektiv Omni-Channel Payment ein? Wie können Händler durch eine intelligente Vernetzung von allen Vertriebskanälen profitieren? Wann kommt der Durchbruch des Mobile Payment?

Bei der Lead-Recherche nach Anbietern kam ich auch auf den Berliner Online Payment Anbieter zurück, bei dem ich damals das wohl absurdeste Job-Interview meiner noch jungen Laufbahn hatte.

Um es kurz zu machen: Natürlich war ich in der Lage ausgerechnet dieses Unternehmen per Kaltakquise zu gewinnen, sodass es jetzt zu meinem Kundenportfolio gehört!

Weil ich in dieser Zeit wirklich hart für meine Abschlüsse kämpfen musste und mir nichts geschenkt wurde, ist dieser Deal in mehrfacher Hinsicht kein Abschluss unter vielen, sondern ein ganz besonderer.


Karma – Alles kommt zurück!

Etwas selber zu erschaffen, seine eigenen Geschäftsideen und Konzepte zu entwickeln und es dann hinterher ausgerechnet an ein Unternehmen zu verkaufen, welches nicht an meine Fähigkeiten ein guter Verkäufer zu sein (zu werden) geglaubt hat. Dazu auch noch ein Abschluss im hohen Preissegment, nach Listenpreis und ohne Preisnachlass – war für eine riesige Genugtuung! Deshalb für mich eindeutig mein schönster Verkaufsabschluss des Jahres 2015!

Die Krönung wäre es wohl gewesen, hätte ich auch genau an jene Person des Interviews verkauft, der es damals nur wichtig war die eigenen Interessen über die des Unternehmens zu stellen. Jene Person, die es nicht mal für nötig hielt mir zurückzuschreiben, weil ich in ihren Augen kein guter Verkäufer und Repräsentant für das Unternehmer wäre, anstatt mich mit Handkuss zur Zusammenarbeit zu bitten.

Aber wie ich später bei meiner Recherche feststellen musste, ist sie auch gar nicht mehr im Unternehmen tätig. Wirklich erstaunt war ich darüber nicht.

Was ich daraus lernen konnte? Dass es manchmal wohl doch so etwas wie Karma gibt. Leute die sich ausschließlich auf den eigenen Vorteil und die eigenen Interessen reduzieren, werden langfristig nicht mehr bekommen als sie verdienen.

Wer ehrlich arbeitet, an sich glaubt, anderen dabei hilft besser zu werden, der wird früher oder später auch dafür belohnt werden. Deshalb der Geschäftsabschluss. Deshalb dieser Artikel.

Lasst euch von niemandem einreden, dass Ihr etwas nicht erreichen könnt, obwohl Ihr euch einer Sache verschrieben habt und euer Ziel unbedingt erreichen wollt. Hört niemals damit auf an euch selbst und an eure Qualitäten zu glauben. Alles was Ihr investiert, kommt früher oder später auch zu euch zurück.


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