Warum ich 10.000 € Fremdkapital in P2P-Kredite investiert habe

DennyVeröffentlicht von

Im April 2018, also ein halbes Jahr, nachdem ich angefangen hatte meine ersten Erfahrungen mit P2P-Krediten zu sammeln, entdeckte ich einen interessanten Blog-Beitrag auf vermietertagebuch.com.

Der Blog von Alexander Raue, welcher sich mit Immobilieninvestments, der Generierung von passivem Cashflow und seinem Weg zum Privatier beschäftigt, behandelt hin und wieder auch seine Investments in P2P-Kredite.

Ich lese generell gerne bei ihm mit, auch, weil mich das Immobilienthema immer noch stark beschäftigt und der junge Mann ein Wahnsinns-Tempo in seinen Aktivitäten vorlegt.

Seine Inhalte zu P2P-Krediten sind für mich meistens kein Neuland, aber die Idee mit einer Fremdfinanzierung sein Investment zu hebeln, haben mich neugierig gemacht.


Fremdkapital, Hebelung, Eigenkapitalrendite

Es ist gängige Praxis in Immobilienkreisen, auf die Vorteile einer Fremdfinanzierung und der damit verbundenen Steigerung der Eigenkapitalrendite hinzuweisen. Ein Beispiel:

Eine Immobilie mit Gesamtinvestitionskosten (inkl. Kaufnebenkosten) für 100.000 € erwirtschaftet Dir ein monatliches Einkommen von 500 € aus Mieteinnahmen. Das sind 6.000 € im Jahr.

Angenommen Du hättest die Immobilie mit einer 90% Finanzierung bekommen, also nur 10.000 € Eigenkapital eingebracht, dann wäre Deine Eigenkapitalrendite, also die Verzinsung deines eingesetzten Kapitals, bei 60% (6.000 € Gewinn / 10.000 € Eigenkapital).

Die EK-Rendite steigt also, je höher meine Einnahmen sind, beziehungsweise je geringer mein Eigenkapital-Anteil an der Finanzierung ist.


Fremdfinanzierung bei P2P-Krediten

Geht das also auch bei P2P-Krediten? Aber sicher doch.

Natürlich muss man sich über die Risiken dieser Anlage-Form bewusst sein, keine Frage. Wem das zu gefährlich ist und wer kein Zutrauen in P2P-Kredite und oder die ausgewählten Marktplätze hat, der sollte seine Finger davonlassen.

Aus meiner Sicht und meiner Vorerfahrung mit den Plattformen Mintos und Bondora, kann ich guten Gewissens mein Kapital für +5 Jahre auf den beiden Marktplätzen investieren.

Die lettische Plattform Mintos besitzt eine Vielzahl von international ansässigen Darlehnsanbahnern und hat alleine im Juni 2018 ein Kreditvolumen von +800 Mio Euro an +66.000 Investoren vermittelt. Damit ist Mintos ionalen Darlehnsanbahnern der größte Anbieter auf dem P2P-Markt.

Quelle: mintos.com

Die estnische Plattform Bondora überzeugt mich sowohl mit attraktiven Renditen, als auch mit der gewachsenen Historie und dem Erfahrungsschatz, da man bereits seit 2008 am Markt aktiv ist.

Zudem mag ich die Ansichten und Vision des Bondora Geschäftsführers Pärtel Tomberg. Jeder der überlegt in P2P-Kredite zu investieren, speziell bei Bondora, sollte sich dieses Video hier ansehen:


Die Zahlen zu meinem P2P-Kredit

Seit Oktober 2017 habe ich insgesamt 6.500 € in die Plattformen Bondora und Mintos investiert. 4.000 € auf Bondora und 2.500 € in Mintos. Für die Einfachheit der Berechnung gehen wir davon aus, dass seitdem keine Zinszahlungen dazugekommen sind.

Mein Darlehen beläuft sich auf 10.000 €, welches über 5 Jahr zu einem Sollzins von 2,842 % p.a. finanziert wird. Das entspricht Kreditzinsen in Höhe von 754,40 € über die Gesamtlaufzeit, beziehungsweise 150,88 € p.a. oder 12,57 € im Monat. Die monatliche Annuität beträgt 179,24 €.

Wichtig: Die Tilgung ist in diesem Beispiel ein durchlaufender Posten, da hier nur Geld von der linken Tasche (mein Klingelbeutel) in die rechte Tasche (Tresor der Bank) transferiert wird.

Mein Profit ist die Marge zwischen dem Zins an die Bank und dem Zinsgewinn auf der P2P-Plattform.


Die Macht der Hebelung durch Fremdkapital

Werden jetzt die 10.000 € Fremdkapital mit meinen bereits 6.500 € investierten Kapital addiert, so ergibt ich ein Gesamtbetrag von 16.500 €. Meine kumulierte Rendite (XIRR) auf beiden Plattformen lag am 30.06.2018 bei 13,50 %.

Rechnen wir für dieses Beispiel aber mit konservativen 10 % p.a., dann ergibt das einen Zinsgewinn von 1.650 € p.a. (vor Steuern). Nach Abzug der jährlichen Zinsen beträgt der Gewinn 1.500 € p.a.

Werden von den 1.500 € jetzt noch 25% Kapitalertragssteuer abgezogen, ergibt das 1.125 €, beziehungsweise einen monatlichen Cashflow von 93,75 €.

Setzen wir meinen Gewinn von 1.125 € ins Verhältnis zum dafür eingesetzten Kapital von 6.500 €, so ergibt sich eine ansehnliche Eigenkapitalrendite von 17,3 % – nach Steuern!

Spätestens jetzt wird klar, bei einem deutlich niedrigeren Anfangsinvest oder einem noch höheren Darlehen (so wie die 42.500 € bei Alex), wäre die EK-Rendite noch deutlich höher ausgefallen.

Ich denke, dass das Prinzip der Hebelung durch Fremdkapital aber deutlich geworden ist.

Präzisere Annahmen für die Berechnung wären gewesen, dass:

  • 10 % Zinsen p.a. realistisch, aber doch etwas zu konservativ angegeben ist
  • bereits Zinseinnahmen generiert worden sind
  • der monatliche Cashflow nicht ausgeschüttet, sondern reinvestiert wird. Dadurch kann der Zinseszinseffekt deutlich besser arbeiten


Wie geht es mit den P2P-Plattformen bei mir weiter?

Ich hatte zwischenzeitlich noch in drei weitere Plattformen investiert (Twino, Swaper und viainvest), mein Geld dort aber wieder nach ein paar Monaten abgezogen. Warum, dass werde ich in einem der nächsten Beiträge behandeln.

Mein Augenmerk gilt Bondora und Mintos. Weiteres Geld nachzuschießen ist erstmal nicht geplant, wenngleich ich einen großen Teil meines frei verfügbaren Budgets auf der neuen Plattform Go&Grow von Bondora geparkt habe.

Go&Grow arbeitet als eine Art Tagesgeld, welches eine 6,95% Festverzinsung anbietet. Der Vorteil: Für eine Gebühr von nur 1 € kann das Geld sofort und jederzeit abgezogen werden, möchte man das Geld woanders investieren.

Man muss also nicht erst darauf warten, dass die Zinserträge zurück auf das Konto kommen, bevor man darüber verfügen kann. Dafür nimmt der Investor einen vergleichsweise niedrigeren Zinssatz in Kauf, als würde er mit dem Portfolio Builder investieren.

Aber ganz ehrlich, wer bietet heute ein Tagesgeld von 6,75% an, welches jederzeit verfügbar ist?

Ein weiterer Kritikpunkt von P2P-Krediten wird damit sehr intelligent gelöst und auch die Hürde für Neueinsteiger, die P2P-Plattformen besser kennenlernen und darin investieren wollen, wird gesenkt.

8 Kommentare

  1. Hallo

    mutig mutig , das wäre nichts für mich gehbelte Risikoanlagen. P2P ist ein Hochrisiko Invest das sieht man an den real passierenten Ausfällen und Pleiten (ganze Anbahner wie Eurocent bei Mintos) oder auch Plattformen (colateral – Wenn du dann mit deinem Kredit fest stecktst kanns „warm“ werden 😉
    UNd Bondora G&G mit Tagesgeld zu vergleichen finde ich ehrlich gesagt fahrlässig das ist genauso ein High Yield Verbraucherkreditportfolio in das man indirekt investiert ohne Einlagensicherung etc. und die Liquidität ist auch nicht garantiert. Kannst dir mal mein Bondora Fazit dazu anschauen habe das mal ein wenig genauer ausgeführt: https://p2p-game.com/bondora-jahresrueck-ein-kritischer-blick-wie-nun-weiter
    Kann man alles machen nur sollte man auch sich des Risikos bewusst sein – drum bleibt P2P bei mir nur ein kleiner Teil im Portfolio ….
    Dir viel Erfolg ich drückdie Daumen.

    1. Danke Dir für den Kommentar. Dass einzelne Darlehnsanbahner pleite gehen, gehört für mich mit zum Spiel. Das kann man über gute Diversifizierung in den Autoinvest-Portfolios ausbalancieren. Das einzige wirkliche Risiko liegt für mich in den Plattformen selber. Deswegen kann ich nicht verstehen, warum manche ihr Glück so sehr überstrapazieren und bei 10+x verschiedenen Plattformen angemeldet sind. Das ist für mich deutlich risikoreicher, als über einen gehebelten Fremd-Kredit in die wohl beiden besten Plattformen zu investieren. Aber gut, auch hier entscheidet jeder für sich.

    1. Hi Alex,

      wie Du dem Artikel und der Verlinkung entnehmen kannst, warst Du ein nicht unwesentlicher Teil meiner Inspiration, der mich erst dazu geführt hat. Danke auch für den geilen Input auf Deinem Blog!

      Grüße,
      Denny

    1. Hallo Heiner,
      die Bank schaut da glaube ich nicht so sehr drauf, ob es sich dabei um einen Investitionskredit handelt. Denke mal bei mir fiel der auch unter die Sparte „Konsumentenkredit“. Für den Kredit habe ich bei den gängigen Vergleichsportalen nachgeschaut. Verivox hatte am Ende für mich die besten Angebote, worunter dann auch das Angebot der Santander war.
      VG,
      Denny

  2. Hallo, vielen Dank für deinen Beitrag! Durch diesen bin ich auch auf das Vermietertagebuch aufmerksam geworden.

    Mir stellt sich eine Frage, sind die Zinsen für den Kredit in der Steuererklärung ebenfalls einreichbar?
    Der Kredit dient ja dem Kapitalzuwachs und könnte eventuell steuerlich berücksichtigt werden.
    Wenn ich für mein Nebengewerbe einen Kredit für eine Profi-Drohne >20.000€ aufnehme ist dieser ja auch absetzbar.

    Grüße Mike

    1. Hi Mike,

      diese Frage hatte ich mir auch gestellt. Meine Steuerberaterin hat das aber verneint. Ich erinnere mich nicht mehr an die genaue Darlegung warum das so ist, aber die Zinsen vom Darlehen können nicht angerechnet werden. Es zählt als ganz normales Verbraucherdarlehen.

      VG,
      Denny

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