Die Angst vorm Scheitern – Warum ich wirklich in England bin

DennyVeröffentlicht von

In diesem Beitrag möchte ich sehr persönliche Informationen mit Euch teilen, weshalb ich vorab schon mal erklären will, worum es in diesem Beitrag geht. Es geht um ein gesellschaftlich sehr sensibles, da in meinen Augen noch tabuisiertes Thema. Es geht um das Thema Ängste. Darum, wie wir mit diesen Ängsten versuchen umzugehen und auch wie wir in unserem Leben unbewusst von Ängsten geleitet werden. Dafür schildere ich persönliche Erfahrungen und schreibe darüber, weshalb ich wirklich zwei mal in meinen Leben nach England gezogen bin und welche Ängste dabei eine Rolle gespielt haben.

 

Ängste zu haben ist etwas, was jeden Menschen betrifft. Wir alle besitzen Ängste in uns, die sich in den verschiedensten Formen äußern. Manche von uns werden von Ängsten beeinflusst – ob bewusst oder unbewusst – andere sogar von Ängsten gesteuert und kontrolliert. Die Bandbreite an Angsterscheinungsformen ist groß.

Wichtig ist in meinen Augen die Auseinandersetzung mit dem Thema an sich, da Angst sowohl in unser privates Leben, aber auch in den Bereich des Vertriebs eingreift. Da wäre zum Beispiel die Angst vor dem Druck im Hamsterrad Sales verkaufen zu müssen oder auch die Angst vor der Ablehnung des Kunden, um nur zwei der prominentesten Verkäufer-Ängste zu benennen.

Warum ich das schreibe? Es gibt zwei Gründe dafür, warum ich mich aktuell etwas mehr mit dem Thema Ängste befasse.

Erstens: Ich finde Ängste sind ein spannendes und noch unterschätztes, da gesellschaftlich tabuisiertes Thema. Das hängt aber auch damit zusammen, dass es für die Personen selbst unangenehm ist sich persönlichen Ängsten zu stellen und sich damit verbunden auch mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Den Spiegel der Angst, den wir bei anderen oft glauben schnell erkennen zu können, uns selber aber nicht vorhalten wollen.

Vor ein paar Monaten bin ich auf den Adios Angst Blog von Mischa gestoßen, der mich unter anderem auch dazu veranlasst hat diesen Beitrag zu schreiben.

 

Ängste im Verkaufskontext

Ich denke, dass das Thema Angst auch ganz speziell im Verkaufskontext super reinpasst. Wie viele Verkäufer haben schließlich Probleme damit sich zu überwinden und Kaltakquise zu betreiben, weil Sie sich davor scheuen beim Kunden anzurufen? Weil die Angst vor der Ablehnung wie ein Kopfkino ist, welches startet sobald das Tuten am Hörer erklingt.

„Furcht ist immer Furcht vor etwas; sie bezieht sich auf konkrete Bedrohungen. Angst hingegen ist ein Grundgefühl, das nicht unbedingt einen konkreten Auslöser hat.“ – Cristian Galvez

Mir ging es am Anfang, nachdem ich meine Naivitätsphase im Vertrieb abgelegt und mir die erste Tracht „Prügel“ am Telefon bezogen hatte, nicht anders. Besonders die ersten zwei bis drei Anrufe am Morgen waren für mich immer die Schlimmsten.

Doch alle Anrufe danach schienen für mich nur noch halb so schlimm. Dass das so ist, belegen auch Untersuchungen die gezeigt haben, dass unsere Ängste an Intensität verlieren, je häufiger wir uns ihnen stellen.

Der zweite Grund weshalb ich diesen Beitrag schreiben möchte ist, dass ich gerne noch persönlichere Geschichten von mir und meinem Leben preisgeben möchte. Ich schildere in meinen Beiträgen zwar schon oft meine Erfahrungen und Gedankengänge, doch ich möchte meinen Lesern die Möglichkeit bieten noch mehr hinter die Kulissen des Verkäuferlebens und hinter meine eigene Fassade zu schauen.

Für diesen ersten Beitrag möchte ich meine eigenen Ängste etwas genauer und kritischer betrachten. Dafür schreibe ich auf, warum ich wirklich zwei mal in meinem Leben nach England gezogen bin.

 

„Warum schon wieder England?“

Damals, als ich Anfang 2014 nach England umgezogen bin, hörte ich diese Frage wohl gefühlte 1000 mal. Zur Erklärung: Ich war bereits während des Studiums für ein fünf Monate langes Praktikum in England gewesen und so glaubten wohl viele, dass ich mein Kreuz für England längst gemacht und diese Erfahrung für mich gereicht hätte.

Damals antwortete ich, dass ich nach England zurückgehen würde, um dort weitere Erfahrungen zu sammeln, meinen Horizont zu erweitern und das ich dort unbedarft meine ersten Job-Erfahrungen sammeln konnte, weil ich als Deutscher in London sicherlich gewisse Nischen-Positionen füllen könnte.

Heute weiss ich, dass das eine Lüge war. Zumindest war es nur die halbe Wahrheit. Denn diese Punkte haben sicherlich alle irgendwo einen wahren Kern, die echten Beweggründe sind aber zwei andere gewesen.

 

Der schwerste Monat meines Lebens

Um das zu erklären, muss ich den Zeiger abermals weiter zurückdrehen – zum September 2011. Dieser Monat steht für mich sinnbildlich als der wohl härteste und besch******** Monat in meinem Leben.

Ich war damals in die Semesterferien gegangen, mit der Aussicht nur noch ein Jahr lang in Ilmenau studieren zu müssen. Ich sage das zum einen, weil mir das Studium nicht wirklich das geben konnte, was ich mir davon versprach. Zum anderen, weil ich damals eine Freundin hatte, mit der ich bereits drei Jahre lang zusammen war – davon die letzten zwei als Wochenendbeziehung. Das Ende schien in Sichtweite und auch die langen Semesterferien machten die Umstände damals zumindest erträglich.

Doch als Sie mich am letzten Tag des Monats August von mir getrennt hatte, da brach für mich eine Welt zusammen. Vielleicht ist es der Schmerz, der sich nur so intensiv und zermürbend anfühlen kann, wie wenn einen seine allererste große Liebe verlässt. Ich fühlte mich in diesen Wochen und Monaten elend wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Verlustängste und Angst vor dem Alleinesein bestimmten mein Leben. Es ging sogar soweit, dass ich mir um mit den Ängsten besser fertig zu werden, einen Selbsthilfe-Ratgeber für das Überwinden von Ängsten gekauft habe. Mein vermeintlicher Tiefpunkt an Verletzbarkeit und Schwäche war erreicht.

Angst vor dem ScheiternDa meine Freundin und ich aus Berlin stammen und sie damals auch in Berlin studiert hat, waren unsere Überlegungen ab dem Sommer 2012 zusammenzuziehen. In Berlin. In unsere Heimatstatdt.

Doch ab dem Zeitpunkt der Trennung empfand ich für mein Berlin nur noch Schmerz. Es war für mich zum Symbol meiner zerplatzten Träume und meiner Zukunft geworden. Ich tat alles, um bloß nicht wieder an den Ort der Erinnerung zurückzukehren. Wenn ich das Problem nicht sehe, dann existiert es auch nicht. Klassisches Verdrängungsprinzip.

Erst daraufhin entwickelte sich auch die Idee mit dem Praktikum in England. Eine Idee auf die ich sonst, in meinem gemütlichen Nest und meiner aufgebauten Komfortzone, niemals gekommen wäre.

Insofern ging für mich und mit der Option England eine Tür auf, auf die ich zwar gespannt und neugierig war, doch gleichzeitig ging für mich hier der erste Selbstbetrug los. War es denn meine intrinsiche Ursprungs-Motivation sich wirklich neue Erfahrungen anzueignen, den Horizont zu erweitern und die Komfortzone zu verlassen? Oder ging es nicht viel mehr um die Flucht davor sich seinen Ängsten und den Erinnerungen zu stellen?

Beide Ansichten haben sicherlich ihre Berechtigung, wenngleich ich immer nur die erste Seite der Medaillie sehen wollte und auch so argumentiert habe. Die andere Ansicht, dass ich einfach alles tat um nicht zurück nach Berlin zu gehen, war immer in meinem Hinterkopf. Unterbewusst wusste ich es. Und mir war so, als ob diese Ansicht umso wahrer wurde, desto mehr ich sie verleugnete.

Dass heute für mich zuzugeben und einzugestehen stellt kein Problem mehr da. Es ist vorbei und schon lange verarbeitet. Doch in England habe ich festgestellt, dass es noch eine weitere Sache gibt vor der ich Angst habe und die mich in letzter Zeit auch immer häufiger beschäftigt.

Was war also der zweite wirkliche Beweggrund für mich wieder nach England zu gehen?

 

Die Gier nach Anerkennung und die Angst vorm Scheitern

Die Antwort darauf liegt schon teilweise versteckt im Text. Für mich war England auch deshalb attraktiv, weil ich hier eine höhere Nachfrage nach meiner Arbeitskraft erwarten konnte. Mit akademischem Abschluss, Kenntnissen in Deutsch und Englisch, konnte ich hier sicherlich eine Nischen-Positionen ausfüllen, die viele Engländern nicht hätten bedienen können.

Ich habe mir keine Sorgen darüber gemacht, dass ich sonst keinen Job in Deutschland gefunden hätte. Doch in England war ich nicht mehr nur einer von vielen. Ich besaß etwas, was deutlich weniger hätten bieten können. Ich war etwas spezielles. Ich fühlte mich einzigartig.

Gleichzeitig war die Anerkennung und die Bestätigung für meine Pläne, meine Ziele und meinen Mut, wie eine Sucht geworden.

Ich mag das Gefühl, dass ich in der Außenseiter-Rolle bin. Dass keine oder nur geringe Erwartungen an mich gestellt werden und sie am Ende doch merken, dass sie mit mir das große Los gezogen haben. Ich mag einfach das Gefühl Menschen von meinen Qualitäten und meinen Kompetenzen zu überraschen und sie dann zu überzeugen.

Warum? Weil sie es nicht voraussetzen. Weil sie es nicht von mir erwarten. Ich weiss, dass mein Anspruch ein anderer ist. Ich habe hohe und ambitionierte Ziele. Trotzdem möchte ich, dass die Erwartungshaltung an mich – und damit auch die Fallhöhe – so gering wie möglich ist.

Je höher die Erwartungshaltung an mich ist, desto eher besteht die Chance, dass ich diese nicht erfüllen kann. Deshalb begebe ich mich lieber freiwillig in Positionen, wo gar nicht erst diese Druck-Situation entstehen kann.

Ich gehe lieber den vermeintlich sicheren Weg, auch wenn ich weiß, dass selbst diese Sicherheiten nur Illusionen sind. Sie sind das Spiegelbild meiner Ängste.


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