Buchempfehlung + Nuggets aus „Die Kunst über Geld nachzudenken“ von Andre Kostolany

DennyVeröffentlicht von

Wenn man sich etwas näher mit den Themen Aktien, Börse und Wertpapiere befasst, kommt man nicht umher, auch immer wieder eine Buchempfehlung für „Die Kunst über Geld nachzudenken“ von Andre Kostolany zu bekommen.

Nachdem ich das Buch innerhalb von nur zwei Tagen durchgelesen habe, was für meine Verhältnisse als rekordverdächtig anmutet, kann ich die Empfehlung uneingeschränkt an die Leser des SALES PITCH Blogs weitergeben.

Andre Kostolany, der am 14. September 1999 im Alter von 93 Jahren in Paris verstarb, veröffentlichte mit „Die Kunst über Geld nachzudenken“ das letzte seiner insgesamt dreizehn Bücher, welche sich über drei Millionen Mal verkauft haben.

Kostolany, der in dem Buch für sein Verständnis von Anlage und Spekulation werben will, schreibt sehr Facettenreich über einzelne Aspekte der Börse. Er gibt dabei sehr reflektiert seine persönlichen Meinungen ab, spricht Empfehlungen für Einflussindikatoren der Märkte aus und verpackt dabei seine Weisheiten in immer wieder aufkehrenden knappen Zitaten und treffenden Anekdoten aus seinem Leben als Börsianer.

Für Neulinge ist dieses Buch ideal, um sich etwas näher mit den Themen Anlage, Spekulation und den Zusammenhängen an der Börse zu beschäftigen, wobei Chancen und Risiken deutlich aufgezeigt und nicht verherrlicht werden.

Als Rezension möchte ich nachfolgend meine wichtigsten „Nuggets“ auflisten, welche mir den meisten Mehrwert geliefert haben.


Aktien als Spekulationsobjekt an sich

  • Der Vorteil von Aktien gegenüber allen anderen Spekulationsobjekten (Immobilien, Sachwerte, Rohstoffe, Devisen, Anleihen) liegt in der langfristigen Aufwärtsentwicklung.
  • Gilt nicht universell für jedes Unternehmen, da diese auch pleite gehen können
  • In der Gesamtheit sind Aktien langfristig immer nach oben gegangen und schnitten besser ab als jede andere Anlageform
  • Entwickeln sich die Dinge nicht so, wie es der Anleger erwartet hat, muss er nur Geduld haben und warten, bis die Kurse wieder steigen. Auf diesem Weg wurde schon mancher Spekulant zum Anleger
  • Berühmter Ausspruch: Wer sich eine Palette internationaler Standardwerte kaufe, soll danach in die Apotheke gehen und sich Schlafmittel besorgen um danach für ein paar Jahre schlafen zu gehen

Die Börse ist kein Thermometer für die Wirtschaft

  • Die Börse zeigt weder die momentane Situation noch den kommenden Wirtschaftstrend an
  • Beispiel Deutschland 1994-1999: Börse (DAX 30) verdreifacht sich bei mäßigem Wirtschaftswachstum (ca. 2% BIP) und hoher Arbeitslosigkeit (BRD: 10,6% – 11,7%)
  • Historie zeigt auch umgekehrte Beispiele: Wirtschaft auf Hochtouren und stagnierende Börsen
  • Beispiel: Mann (Wirtschaft) der mit Hund (Börse) spazieren geht. Am Ende kommen beide am gleichen Ziel an, doch während das Herrchen 1km zurücklegt, ist der Hund vorgelaufen und zurückgekommen und hat dabei 4km zurückgelegt
  • Auf sehr lange Sicht entwickeln sich Wirtschaft und Börse in die gleiche Richtung, doch zwischendurch können sie völlig gegensätzliche Richtungen nehmen

Was die Kurse bewegt / Das Postulat von Angebot und Nachfrage

  • „Alles hängt von Angebot und Nachfrage ab. Meine ganze Börsentheorie ist darauf aufgebaut“
  • „Ein Unternehmen kann noch so gute Gewinne erzielen und Dividenden zahlen, es kann noch so gute Zukunftsaussichten haben, steigen wird es an der Börse erst, wenn die Nachfrage größer als das Angebot ist
  • Credo: Gibt es mehr Dummköpfe als Papiere oder mehr Papiere als Dummköpfe?
    • Die Tendenz hängt davon ab, ob es für die Verkäufer wichtiger und dringender ist, ihre Papiere loszuwerden, als für die Käufer, mit ihrem Geld Werte zu bewerben
  • Kommentare warum Kurse gefallen oder gestiegen sind, sind für Spekulanten überflüssig und unbrauchbar. Wichtig: Keine logischen Erklärungen zu suchen
  • Drei gültige Begründungen: Die Börse war schwächer, weil das Angebot größer als die Nachfrage war, oder die Börse war fester, weil die Nachfrage größer als das Angebot war, oder die Börse war unverändert, weil Angebot und Nachfrage ausgeglichen waren

Die langfristigen Einflussfaktoren

Zwei Komponenten: Krieg oder Friede und die langfristige wirtschaftliche Entwicklung

  • Der Friede ist das Wichtigste
    • Der Weltfriede, trotz Kosovo-, Golf- oder Kurdenkrieg, mögen sie menschlich noch so tragisch sein, ist so sicher, wie er es seit 1912 nicht mehr war (Buch aus 1999)
    • „Solange es irgendwo nach Pulver riecht, sind die Kapitalanleger nicht bereit, uneingeschränkt in Aktien zu investieren“ 

  • Die wirtschaftliche Entwicklung auf lange Sicht
    • Die Aktienkurse können nicht ständig steigen, wenn nicht auch die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne wachsen
    • Die Börse kann sich langfristig nicht von der Wirtschaft abkoppeln
    • „Ist die Wirtschaft frei von Hemmnissen, sodass sie wachen kann, wird die Börse a la longue nach oben gehen. Das Resultat sind deutlich häufiger steigende als fallende Kurse, was die Chancen des Spekulanten auf ausgeprägte Gewinne enorm erhöht“
    • Wirtschaft will grundsätzlich wachsen, weil die Triebfeder des Wachstums der Drang des Menschen nach einem immer höheren Lebensstandard ist

Die mittelfristigen Einflussfaktoren

  • Zwei Faktoren: Geld und Psychologie
    • Geld + Psychologie = Tendenz
    • Sind beide Faktoren positiv, steigen die Kurse. Sind beide negativ, fallen sie.
    • Ist ein Faktor positiv, der andere negativ, neutralisieren sich die Tendenzen

  • Geld (Lebenselixier des Aktienmarktes)
    • Geld ist wie der Sauerstoff zum Atmen oder das Benzin für den Motor
    • Niemand kann Aktien kaufen, wenn er kein Geld dafür hat
    • Ist der Faktor Geld positiv, wird auch irgendwann der Faktor Psychologie positiv
      • Die steigenden Kurse interessieren das Publikum wieder für Aktien und es gibt weitere Käufe, die wiederum neue Käufer anziehen und so weiter
    • Ohne frisches Geld kann die Börse nicht steigen, selbst wenn die Nachrichten von der Wirtschaftsfront noch so positiv sind

  • Psychologie
    • Ist die Psychologie des Anlagepublikums durchweg negativ, sodass niemand Aktien kaufen will, kann die Börse auch nicht steigen

  • Konjunktur (unwichtig für die mittelfristige Börsentendenz)
    • Sehr oft verläuft die Kursentwicklung entgegengesetzt zur konjunkturellen Entwicklung
    • In einer Wirtschaftseuphorie werden die Unternehmen alle zur Verfügung stehenden Gelder für direkte Investitionen verwenden, um die hohe Nachfrage bedienen zu können

  • Inflation (Nur der Kampf gegen sie ist schädlich)
    • Inflation selbst hat keinen negativen Einfluss auf die Aktien, da diese als Sachwerte von der Inflation angetrieben werden
    • Negativ für die Börse sind die Maßnahmen, die die Notenbanken ergreifen, um die Inflation zu bekämpfen
      • Beispiel: Beim Wirtschaftsboom werden die Zinsen erhöht, um keine Inflation aufkommen zu lassen

  • Notenbanken: Die Diktatoren der Zinsen
    • Zinsen hängen von wirtschaftlicher Entwicklung aller Komponenten ab: Lohnsteigerungen, Rohstoffpreisen, Konsum, Produktivitätssteigerung etc.
      • Mithilfe der kurzfristigen Zinsen bestimmt die Notenbank, zu welchem Zinssatz sich die Banken refinanzieren können
      • Diesen Zinssatz zuzüglich ihrer Marge geben die Banken an ihre Kunden weiter
      • Je höher die Zinsen sind (der Preis für das Geld), desto geringer wird die Nachfrage nach Krediten, und je tiefer sie sind, desto höher wird die Nachfrage nach Krediten
      • Über diesen Weg steuert die Notenbank die Geldmenge
    • „Wenn die Zinsen fallen, dann muss man in die Börse einsteigen, ohne großes Wenn und Aber“

  • Anleihen (Die Konkurrenten der Aktie)
    • Aktien vs Anleihen: Entscheidend ist die Höhe der Zinsen die Anleihen abwerfen
    • Liegen die Zinsen für Anleihen erheblich höher als die Inflationsrate und die Dividendenrendite von Aktien, fällt die Wahl auf die Festverzinslichen
      • Je höher die Verzinsung am Anleihenmarkt, desto weniger Geld steht dem Aktienmarkt zur Verfügung und umgekehrt
      • Zinsdifferenzgeschäfte (Hebel)

Die Börsenpsychologie

  • Die technische Verfassung (wie intensiv reagiert der Markt auf gute oder schlechte Nachrichten) hängt von einer Frage ab: In welchen Händen befindet sich die Mehrheit der Papiere?
    • Optionen: Bei den Hartgesottenen oder den Zittrigen

4 G‘s: Geld, Gedanken, Glück und Geduld

  • Ursprung: Preußischer Generalfeldmarschall von Moltke (erfolgreiche Kriegsführung)
  • Geld
    • Nicht abhängig vom Vermögen, sondern ob Eigenkapital intakt ist (keine Schulden)
    • Aktien auf Kredit zu kaufen ist verboten
    • Fehlt das Geld oder hat man sogar Schulden, kann man keine Geduld haben

  • Gedanken
    • „Gedanken hat der Börsianer, der intellektuell handelt, ob richtig oder falsch, spielt zunächst keine Rolle; Hauptsache, er handelt überlegt und besitzt Vorstellungskraft. Und er muss an eine Gedanken glauben“
    • Einstein: „Phantasie ist wichtiger als Wissen“
    • Besitzt man keine Gedanken, hat man auch keine Strategie

  • Geduld
    • „Das Geld macht man an der Börse nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Sitzfleisch“
    • „In Spekulation gemachtes Geld ist Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen und dann das Geld“
    • Keine Geduld, dann helfen auch Geld und Gedanken nichts

  • Glück
    • Kriege, Naturkatastrophen, politische Umstürze, neue Erfindungen oder Betrügereien können die Voraussetzungen zerstören, auf denen Spekulationen beruhen
    • Fehlt das Quäntchen Glück, wird man den Glauben an sich, seine Gedanken und damit auch die Geduld verlieren

Das Ei des Kostolany

  • Drei Phasen
    • Phase der Korrektur (A1 / B1)
    • Phase der Anpassung oder Begleitung (A2 / B2)
    • Phase der Übertreibung (A3/B3)

  • A1: Kurse steigen leicht, kleiner Umsatz, Zahl der Aktienbesitzer gering
  • A2: Kurse steigen, Umsatz und Zahl der Aktienbesitzer steigend
  • A3: Kurse steigen extrem, Umsatz wird euphorisch, Zahl der Aktienbesitzer ist sehr hoch
  • B1: Kurse fallen, kleiner Umsatz, Zahl der Aktienbesitzer geht langsam zurück
  • B2: Kurse fallen, Umsatz ist steigend, Zahl der Aktienbesitzer nimmt weiter ab
  • B3: Kurse fallen extrem, Umsatz steigt massiv an (Panikverkäufe), Zahl der Aktienbesitzer sehr niedrig

  • Wichtigste Frage: In welcher Phase befindet sich der Markt?
  • Nachrichten:
    • Fällt ein Markt nach schlechten Nachrichten nicht mehr (Symptom, dass er überkauft ist) befindet er sich in der Nähe des Tiefpunktes
    • Reagiert ein Markt nicht mehr auf positive Nachrichten (Signal: Überkaufte Situation), deutet es auf vorläufigen Höhepunkt hin

  •  Umsätze:
    • Große und steigende Umsätze + fallende Kurse = Hinweis auf nächsten Aufschwung
    • Kleine Umsätze + bröckelnde Kurse = schlechte Perspektive für den Markt
    • Große Umsätze + steigende Preise = schlechte Perspektive für die Zukunft
      • Je größer der Umsatz, desto verletzbarer der Markt
      • Markt kommt in Phase 3 der Aufwärtsbewegung

  • Allgemeiner Konsens (wichtigster Hinweis):
    • Optimistische Stimmung in den Medien, Interesse der Leute an der Börse, Pessimisten werden zu Optimisten = Ende der dritten Phase des Bullenmarktes (Kurse verlieren Bezug zur Wirklichkeit)

  • Fazit: Steigt oder fällt ein Markt mit kleinen Umsätzen, deutet dies auf eine Fortsetzung des Trends hin, steigt oder fällt er mit ständig steigenden Umsätzen, ist die Trendwende nicht mehr weit

Das Phänomen des Fait accompli

  • Übersetzung: Vollendete Tatsachen
  • Spekulation bezieht sich stets auf ein ungewisses, in der Zukunft liegendes Ereignis. Trifft das Ereignis ein, wird es zur Tatsache, und auf Tatsachen braucht man nicht mehr spekulieren. Bedeutet: Die Börse antizipiert zukünftige Ereignisse
  • Beispiel:
    • Steigender Kurs bei erwarteter Gewinnsteigerung eines Unternehmens
    • Je stärker Publikum Gewinnsteigerung antizipiert, desto schneller steigt der Kurs
    • Wird der Gewinn am Stichtag X so hoch wie erwartet sein, geht der Kurs im gleichen Moment zurück
    • Das Ereignis ist eingetroffen und zum Fait accompli geworden
    • Da bereits alle vor der Veröffentlichung gekauft haben, mangelt es an weiteren Käufern
    • Mitgenommene Gewinne drücken auf den Kurs

Spekulativ vs Konservativ: Frage der Proportion

  • Unterscheidung zwischen konservativen und spekulativen Aktien ist oberflächlich und falsch
  • Unterschied nicht in Qualität der Werte, sondern in Quantität
  • Beispiel:
    • Großkapitalist kauft zweifelhafte Technologieaktie für einen minimalen Betrag = Keine Spekulation, sondern konservative Anlage mit kalkuliertem Risiko
    • Kleiner Mann der vermeintlich „sichere Standardwerte“ über seinen Mitteln kauft begeht waghalsige Spekulation

Empfehlung „Halten“?

  • „Wenn sich eine Aktie in meinem Depot befindet, die ich heute nicht mehr kaufen würde, dann muss ich sie verkaufen. Welchen Grund gibt es ein Papier zu behalten, dem man offenbar nicht genügend Kurschancen zutraut, um es zu kaufen?“

M- und W-Charts (Doppelaufstieg und Doppelrückschlag): Die ältesten Chart-Regeln

  • Doppelaufstieg (M) bedeutet, dass bei steigenden Kursen der letzte Höchstkurs immer wieder durch den folgenden überschritten wird (Bei Wiederholung lässt es auf Aufwärtsbewegung schließen)
  • Wenn die Chart einige Male die Form eines M zeigt, dann bedeutet dieses ein „Plafond“ (einen Hochkurs den man nicht mehr durchstoßen kann)
    • Wahrscheinlich ist ein größeres Quantum der Aktie zum Verkauf angeboten
    • Solange der Vorrat nicht zugedreht ist, kann der Kurs nicht steigen
  • Beispiel:
    • Aus einer Erbschaft stehen 100.000 Wertpapiere zum Verkauf.
    • Der Auftrag liegt bei 90
    • Jedes Mal, wenn sich die Aktie der Dotierung von 90 nähert, kommt eine größere Menge des Papiers auf den Markt und der Kurs fällt wieder
    • Erst wenn alle Aktien veräußert sind, könnte es zu einem neuen Kursanstieg kommen

  • Doppelabstieg: Die Form eines „Doppel-W“ deutet an, dass die Kurse nach einem Rückgang einen gewissen Boden gefunden haben, den sie nicht durchstoßen können
    • Möglich: Konsortium dahinter, welches die Aktien aufkaufen will („Kurspflege“)

 

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